Freude 1.2 — Kreatives Schreiben

Dialoge — die Bühne der Charaktere

Guter Dialog macht drei Dinge gleichzeitig: er charakterisiert, er treibt die Handlung voran, er erzeugt Subtext. Schlechter Dialog erklärt.

Faustregeln:
  • Jede Figur hat eine eigene Stimme — Wortwahl, Satzlänge, Rhythmus.
  • Niemand sagt direkt, was er meint („Ich bin sauer auf dich" → schwach).
  • Unterbrechungen, Pausen, Ausweichen sind realistischer als „brave" Dialoge.
  • „Sagte" ist okay — keine Synonym‑Akrobatik („gurgelte sie", „spuckte er").
  • Dialog‑Tags sparsam verwenden, nur wenn Klarheit nötig.
  • Unter‑den‑Tisch‑Subtext: was Figur eigentlich will vs. was sie sagt.
Beispiel mit Subtext:
„Wann fährst du?", fragte sie und füllte den Spüler.
„Morgen früh."
„Aha." Sie ließ einen Teller in die Schüssel
fallen. „Ich glaube, der Müll muss noch raus."

Niemand sagt: „Bleib." Aber jeder spürt es.

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