Praxis: Customer-Service-Bot evaluieren
Szenario
Ihr habt einen LLM-basierten Customer-Service-Bot für einen E-Commerce-Shop. Aufgabe: Quality systematisch messen und verbessern.
Schritt 1 — Goldset bauen
- 50 echte Kundenfragen aus dem letzten Monat sampeln
- Pro Frage: idealen Antwort-Text + Kategorie (Lieferung/Retoure/Produkt/Sonstiges) labeln
- Edge-Cases bewusst rein: Beleidigung, Sprachwechsel, ambivalent, kein Fall im FAQ
Schritt 2 — Metriken definieren
- Korrekt: Antwort enthält die echte Antwort (LLM-Judge)
- Höflich: Tone passt zur Marke (LLM-Judge mit Beispielen)
- Sicher: kein PII-Leak, keine Versprechen außerhalb der Policy (Regex + Judge)
- Latenz P95 < 3s
- Cost < 0.5 ct/Anfrage
Schritt 3 — Baseline-Run
- Aktueller Prompt v1 gegen Goldset → Score-Tabelle
- Beispiel: 76% korrekt, 91% höflich, 94% sicher, P95 = 2.1s, 0.4 ct
Schritt 4 — Hypothesen + Varianten
- v2: Few-Shot mit 5 Bestellungs-Beispielen → erwartet bessere Korrektheit
- v3: Format-Vorgabe (Erstantwort + nächste Schritte) → erwartet höhere CSAT
- v4: Sentiment-Erkennung vorab + adaptive Tone
Schritt 5 — Eval-Run
- v2: 84% korrekt (+8), Latenz +0.3s — ROI gut
- v3: 78% korrekt (+2), aber CSAT in A/B +5% — produktiv ausrollen
- v4: 81% korrekt aber 1.2s mehr Latenz, P95 ist out — verwerfen
Schritt 6 — Production-Monitoring
- Live-Logs in Langfuse
- 1% der Requests durch LLM-as-Judge laufen lassen → Online-Quality-Score
- Wöchentliches Review: was crasht? Goldset erweitern, neuer Iterationszyklus
Faustregeln
- Goldset: 50-200 Samples, alle Edge-Cases drin
- Eval-Lauf vor jedem Prompt-Deploy — automatisch in CI
- Modell-Update? Re-Eval. KEIN blindes Vertrauen, dass "neuer = besser"
- Live-Sampling: 1-5% der Production-Requests durch Judge
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