Logik & Beweise — Einführung
Kapitel 4 · Theorie

Beweistechniken — drei Wege zum Ziel

Ein Beweis ist eine lückenlose Argumentationskette von der Voraussetzung zur Behauptung. Es gibt drei klassische Strategien.

1. Direkter Beweis

Annahme: p gilt. Schrittweise zeigen, dass daraus q folgt.

Beispiel: Behauptung — Wenn n gerade ist, ist n² gerade.
Beweis: Sei n gerade, also n = 2k. Dann n² = (2k)² = 4k² = 2·(2k²). Also ist n² gerade. ∎

2. Beweis durch Kontraposition

Statt p → q beweise ¬q → ¬p. Beide sind logisch äquivalent.

Beispiel: Wenn n² ungerade ist, ist n ungerade.
Kontraposition: Wenn n gerade ist, ist n² gerade. Das haben wir oben schon bewiesen. ∎

3. Widerspruchsbeweis (Reductio ad absurdum)

Annahme: q gilt nicht. Zeige, dass das zu einem Widerspruch führt — also muss q doch gelten.

Klassiker: √2 ist irrational.
Annahme: √2 = p/q mit p, q teilerfremd. Quadrieren: 2q² = p². Also ist p² gerade, also p gerade, also p = 2m. Einsetzen: 2q² = 4m², also q² = 2m². Also q gerade. Aber dann sind p und q beide durch 2 teilbar — Widerspruch zur Teilerfremdheit. ∎

🎯
Welche Technik wann?Direkt — wenn der Weg von p nach q klar erscheint. Kontraposition — wenn ¬q einfacher zu handhaben ist. Widerspruch — wenn die Annahme "das Gegenteil gilt" produktive Strukturen liefert.
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