Statistik 2 · Hypothesentests
Kapitel 8 · Praxis

Praxis — Klausur & Replikationskrise

Aufgabe 1: Münzwurf

Bei 100 Würfen siehst du 60 Köpfe. Teste mit α = 0.05 (zweiseitig) ob die Münze fair ist.

Lösung

H₀: π = 0.5, H₁: π ≠ 0.5.
Unter H₀: μ = 50, σ = √(100·0.5·0.5) = 5.
z = (60 − 50)/5 = 2.
p-Wert (zweiseitig) = 2 · P(Z > 2) ≈ 2 · 0.0228 = 0.0456 < 0.05 → H₀ verwerfen. Knapp signifikant.

Aufgabe 2: p = 0.06

Eine Studie meldet p = 0.06 bei α = 0.05. Wie würdest du das berichten?

Lösung

Streng formal: nicht-signifikant, H₀ wird nicht verworfen. Aber: 0.06 ist nahe 0.05, das deutet auf einen möglichen Effekt — größere Studie wäre sinnvoll. Niemals: „fast signifikant" als Beweis verwerten.

Aufgabe 3: Power-Analyse

Eine Studie hat α = 0.05 und n so klein gewählt, dass Power = 0.30 ist. Was bedeutet das?

Lösung

Bei einem echten Effekt würde der Test ihn nur in 30 % der Fälle entdecken — in 70 % nicht (Fehler 2. Art). Solche Studien sind unterpowered und liefern oft falsch-negative Ergebnisse. Norm: Power ≥ 0.80 anstreben.

Replikations­krise — was lernen wir?

Viele psychologische und biomedizinische Studien lassen sich nicht reproduzieren. Hauptursachen:

  • p-Hacking: verschiedene Tests durchprobieren, bis einer signifikant wird.
  • HARKing: Hypothesen nach dem Datensehen formulieren.
  • Underpowered Studien: zu kleine n, falsch-positive Ergebnisse.
  • Publikations-Bias: nur signifikante Ergebnisse werden veröffentlicht.
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MerksatzH₀ = Status quo, H₁ = Hoffnung.
p ≤ α: H₀ verwerfen. Sonst: nicht verwerfen.
α = Fehler 1. Art (false positive). β = Fehler 2. Art.
Power = 1 − β. Mehr n → weniger β → mehr Power.

Geschafft! Du verstehst die Logik aller Tests. In den nächsten Kursen lernst du konkrete Test-Verfahren: t-Test, χ²-Test, ANOVA.

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