Statistik 2 · Punktschätzer
Kapitel 5 · Methode

Maximum-Likelihood — die universelle Methode

Definition · Maximum-Likelihood-Schätzer (MLE)

Wähle den Parameter θ, der die beobachteten Daten am wahrscheinlichsten macht. Das ist der MLE.

θ̂_ML = argmaxθ L(θ; x₁, ..., xₙ)

Die Likelihood-Funktion

Bei unabhängigen Beobachtungen mit Dichte f(x; θ):

L(θ) = ∏ f(xᵢ; θ)  ·  ℓ(θ) = log L(θ) = Σ log f(xᵢ; θ)

Meistens maximiert man die Log-Likelihood ℓ(θ) — Produkte werden zu Summen, einfacher zu differenzieren.

Beispiel — MLE für Normalverteilung

x₁, ..., xₙ ~ N(μ, σ²). Setze ∂ℓ/∂μ = 0 → der MLE für μ ist:

μ̂_ML = x̄  ·  σ̂²_ML = (1/n) · Σ (xᵢ − x̄)²

Für μ deckt sich das mit dem Mittelwert. Für σ² liefert ML die biasedVariante (mit n im Nenner) — ein Beispiel, wo ML zwar konsistent, aber nicht erwartungstreu ist.

⚙️
Eigenschaften des MLEAsymptotisch erwartungstreu
Konsistent
Asymptotisch normal verteilt ✓ (Basis für KIs/Tests)
Asymptotisch effizient ✓ (erreicht Cramér-Rao)
Aber: für endliche n manchmal verzerrt.

Andere Schätzmethoden — kurze Erwähnung

  • Methode der Momente: setze Stichproben­momente = theoretische Momente.
  • Bayes-Schätzer: kombiniere Likelihood mit Vorwissen (Prior).
  • OLS (Least Squares): minimiere Quadratsumme der Residuen — Spezialfall von ML bei normal­verteilten Fehlern.
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