Statistik 2 · Stichprobe & Grundgesamtheit
Kapitel 4 · Verzerrung

Bias — die unsichtbare Verzerrung

Definition · Bias (Verzerrung)

Eine systematische Abweichung der Stichprobe von der Grundgesamtheit — keine zufällige Schwankung, sondern strukturelle Schieflage. Bias verschwindet nicht mit größerer Stichprobe.

Klassische Bias-Typen

TypBeschreibungBeispiel
Selection BiasAuswahlmechanismus bevorzugt bestimmte UntergruppenOnline-Umfrage erreicht nur Internet-Nutzer
Non-Response BiasWer nicht antwortet, unterscheidet sich von AntwortendenUnzufriedene melden sich häufiger
Survivorship BiasDu siehst nur die „Überlebenden"Erfolgreiche Startups sind sichtbar — gescheiterte nicht
Recall BiasErinnerung verzerrtKrebspatienten erinnern sich genauer an Risikofaktoren
Social DesirabilityAntworten in „erwünschter" RichtungGeringe Angabe bei Alkohol-Konsum
Berühmtes Beispiel — Literary Digest 1936: 2,4 Mio. Menschen wurden befragt (riesige Stichprobe!), wer Präsident wird. Vorhersage: Landon klar vorne. Tatsächliches Ergebnis: Roosevelt mit 61 % gewann. Warum? Die Befragten kamen aus Telefonbüchern und Auto-Registrierungen — beides Luxus 1936. Reiche wählten Landon, Arme Roosevelt. Die Stichprobe war groß, aber massiv verzerrt. Größe schlägt Bias nicht.

Wie man Bias minimiert

  • Zufallsstichprobe: die einzige Methode mit Bias-Garantie (im Erwartungswert).
  • Hohe Antwortrate: < 10 % Antwortrate → fast garantiert verzerrt.
  • Anonymität: reduziert Social Desirability.
  • Mehrere Erhebungs­wege: Telefon + Online + Post deckt mehr Gruppen ab.
  • Gewichtung im Nachgang: wenn Stichprobe schief ist, statistisch korrigieren (Post-Stratifikation).
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