Statistik 2 · Stichprobe & Grundgesamtheit
Kapitel 8 · Praxis

Praxis — Wahlumfragen & Markt­forschung

Übung 1: Sonntagsfrage planen

Du sollst eine Sonntagsfrage in Bayern (13 Mio. Wahlberechtigte) durchführen. Genauigkeit: ±2,5 %-Punkte bei 95 % KI.

  1. Wieviele Befragte (n)?
    Lösungn = 1.96² · 0.25 / 0.025² = 3.84 · 0.25 / 0.000625 = 1.537. Aufrunden auf 1.600.
  2. Welche Stichprobenart?
    LösungGeschichtete Zufallsstichprobe mit Schichten nach Region (Oberbayern, Niederbayern, ...) und Altersgruppe. Stratifikation hilft, Schwankungen zu reduzieren.
  3. Welche Bias-Risiken bei reiner Telefonumfrage?
    Lösung
    • Junge Menschen haben oft kein Festnetz mehr → Untererfassung.
    • Tagsüber: Berufstätige nicht erreichbar → Selection Bias.
    • Wer auflegt, ist anders politisch eingestellt → Non-Response Bias.
    Lösung: Mix aus Festnetz + Mobil + Online.

Übung 2: Online-Umfrage einer Zeitung

Eine Online-Zeitung schreibt: „72 % der Befragten sind gegen Tempolimit."

Welche kritischen Fragen stellst du?

Antwort
  • Wie wurde rekrutiert? Self-Selection führt zu starken Verzerrungen.
  • Wer hat geantwortet? Leser einer Auto-affinen Seite ≠ Bevölkerung.
  • Wie viele wurden insgesamt erreicht? Wenige Antworten = unzuverlässig.
  • Wie waren die Antwortmöglichkeiten formuliert? Frame-Effekt.
  • Wer hat die Umfrage finanziert? Auftrags-Bias.

Übung 3: Pflanzenexperiment

Du willst untersuchen, ob ein neuer Dünger den Ertrag erhöht. Du hast 100 Pflanzen-Töpfe in einem Gewächshaus.

Empfohlene Vorgehensweise

Randomisierte Zuordnung: Münzwurf — Topf bekommt Dünger oder nicht. Das verhindert, dass z.B. die fensternahen Töpfe (mehr Licht) systematisch in die Dünger-Gruppe kommen. Plus: gleiche Bewässerung, Temperatur etc. (Kontrollvariablen).

🪜
Merksatzn ≪ N ist OK — solange die Auswahl zufällig ist.Bias verschwindet nicht durch mehr Befragte.Faustformel: n ≈ 1/e² für ±e Genauigkeit.

Geschafft! Du weißt jetzt, wie man eine sinnvolle Stichprobe zieht. Im nächsten Kurs „Statistik 2 · Punktschätzer" lernst du, was eine gute Schätzung der unbekannten Parameter ausmacht — und warum es mehrere Wege zum Mittelwert gibt.

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